Wieso Kundendaten so wunderbar wertvoll sind.

Aktualisiert: 27. Apr 2019

Big Data – Ein Schlagwort wie kein zweites. Massivst in den Medien diskutiert. Auch die "Artikel-13-Diskussion" findet iin ähnlichem Kontext statt.


Kunden und Nutzer sozialer Medien fühlen sich oftmals ausspioniert und für Profit ausgenutzt. Prominentes Beispiel - der Cambridge Analytica Datenskandal. Private Daten von mehr als 50 Millionen privaten Facebook Nutzern wurden gestohlen. Ein anderes Beispiel: Käuferverhalten. Jeder einzelne Einkauf, den wir tätigen, erfasst unsere Einkaufsvorlieben. Diese Daten werden an Marketingunternehmen verkauft und wir erhalten interessensgerechte Werbung, etc.


Dasselbe funktioniert im Immobiliensektor: Der Hauskauf. Es ist erwiesenermaßen 3x so wahrscheinlich, sich ein Auto zuzulegen, wenn man innerhalb der letzten 6 Monate ein Haus gekauft hat. Und ein Hauskauf ist einer der höchsten Transaktionswerte, wenn nicht sogar der höchste Wert eines Kaufs in unserem gesamten Leben, da lassen sich vergleichbar "wenige" Daten zusammentragen. Doch genau deshalb bombardieren uns die Automobilisten in genau dieser Phase auch mit ihrer Werbung.


Klare Sache, denkt man sich. Große Unternehmen verkaufen unsere Privatsphäre für großes Geld und wir werden über den Tisch gezogen. Stimmt das wirklich? Lass uns einmal einen anderen Blickwinkel einnnehmen und ansehen, wie Big Data dir und deinem Kunden im Immobiliensektor weiterhilft. Daten im Gewerbeimmobiliensektor sind kritisch. Das ist Fakt. Tagtäglich machen sich Makler die Mühe, durch harte Arbeit und ihr Netzwerk, diese Daten zu sammeln, zusammenzutragen und zu verwerten, im Immobiliensektor leider noch vergleichbar wenig digital. Wie teuer wurde der neue Bürokomplex im Hafenviertel verkauft? Welches Unternehmen wird bald 1.000qm² an zusätzlicher Bürofläche benötigen? Diese Daten sind das wertvollste Gut für einen Makler.


Mike Lotte beispielsweise, ehemals als Makler angestellt bei JLL, hat in einer interessanten Story davon erzählt, dass ihm seine Kollegen kurz vor Feierabend sogar geraten haben, nachts unbedingt seinen Schreibtisch abzusperren.


Denn die Einsätze im Immobiliensektor sind bekanntlich sehr hoch. Trotzdem sind bei Verkaufsflächen im 6-stelligen qm²-Bereich zu über 1.500€/qm² oftmals dennoch meist Intuition, Bauchgefühl und Erfahrungswerte hauptverantwortlich für die Auswahl des Investitionsstandortes.

Die Technologisierung ändert das: Dem Unternehmen Deloitte zufolge liegt die Nachfrage nach vorhersagenden Analysen bei Investoren mittlerweile bei rund 84%. Wir können Verkehrsmuster via Google Maps erfassen, Trends in den Suchanfragen auf Google analysieren oder Preisentwicklungen bei Wohnimmobilien beobachten, um vorherzusagen, wo das neue Einkaufszentrum am besten gebaut werden sollte.

Wie man sich vorstellen kann, sind diese Daten wertvoll. Insgesamt werden sie von ATTOM auf einen Wert von umgerechnet circa 120 Mrd. Euro geschätzt, aufgeteilt unter Geschäftsabschlüssen, Versicherungen, Hypotheken und Marketing. Aber was hat man beispielsweise als Kunde davon, oder als Privatperson? Große Datenverarbeitungsunternehmen sammeln öffentliche Daten oder kaufen sie von Firmen wie Facebook, Google and Apple, die Aufschluss über die Anzahl der Baugenehmigungen, geplante Investitionen, Konsumausgaben der Wohngegend oder Schulqualität und vieles mehr geben. Diese Daten werden dann an „Zillow“, ein Onlineunternehmen für Immobilien-Datenbanken, verkauft. Dort kann dann unter Nutzung diverser Algorithmen relativ genau bestimmt werden, wieviel eine Immobilie wert ist. Als Nutzer kannst du auf diese Daten dann kostenlos zugreifen. (Mehr dazu in in diesem Blogartikel:)


Big Data hat Transparenz geschaffen. Sowohl für den Makler, als auch für den Kunden. Das ist unbestreitbar.


Doch diese Thematik läuft nicht nur im Immobilienbereich, denn was mit einem Hauskauf einhergeht sind Versicherungen und Hypotheken. Früher haben sich Versicherungsgesellschaften den durchschnittlichen Schaden errechnet, für den sie aufkommen mussten und seinen Wert unter den Versicherungsnehmern geteilt – meist mit Risikozuschlag. Doch da draußen gibt es mittlerweile Unternehmen wie CAPE Analytics. Sie nutzen Drohnen, um Häuser von oben auf mögliche Gefahrenquellen wie Bäume oder Trampoline zu scannen. 2006 berichtete der „Consumer Product Safety Review“, das geschätzt 109.522 Unfälle durch Trampoline bedingt waren. Somit kann jeder Versicherungsnehmer adäquat beurteilt werden. Hat man folglich weniger Gefahrenquellen, sinkt auch dein Versicherungsbeitrag bezogen auf den Durchschnitt der Gesellschaft signifikant. Gehen wir dann von einem jährlichen Versicherungsbeitrag von guten 1.000€ aus, ist eine Ersparnis von bis zu einigen hundert Euro durchaus realistisch.


Demselben Prinzip folgt die Vergabe von Hypotheken und Krediten. Je mehr finanzielle Informationen die Bank über dich hat, desto sicherer kann sie sich sein, dass die Rückzahlung auch geleistet werden kann, was wiederum den Risikozuschlag senkt. Big Data bietet also auch hier Transparenz und Mehrwert für den Verbraucher, den Kunden.


Zu guter Letzt ist natürlich die moralische Frage noch zu berücksichtigen. Wie schon in Georg Büchners bekanntem Zitat aus Woyzeck:


„Us poor people. Try raising someone like me in this world on morals alone.”

Was die Leute sagen und was sie dann im Endeffekt tun, passt oftmals nicht zusammen. Wieso wird sich darüber beschwert, dass Google Daten über uns erhebt, aber man nutzt es dennoch weiter? Weil es uns im Endeffekt doch nicht kümmert.


Stellen wir uns doch einfach mal folgende Frage: Würden wir lieber eine monatliche Gebühr von 40€ zahlen, um Google nutzen zu können oder gar keine, wenn Google dafür Daten erheben kann, die es Projektentwicklern ermöglicht, bei dem Bau des neuen Einkaufszentrums eine weitaus fundiertere Investitionsentscheidung treffen zu können?



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Viel Erfolg beim Umsetzen.